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18.08.2026

Neue Projekte, aktuelle Herausforderungen und eine Besichtigung im Stollen

Blick in die Stollenanlage Dachs 1 des ehemaligen Außenlagers Porta Westfalica

Bericht von der 19. Tagung der Außenlager-Initiativen und -Gedenkstätten des ehemaligen KZ Neuengamme

Alle zwei Jahre veranstaltet die KZ-Gedenkstätte Neuengamme zweitägige Tagungen, an denen sich Mitarbeiter*innen von Gedenkstätten und Angehörige von Initiativen an Orten ehemaliger Außenlager über Fragen zur Geschichte des KZ Neuengamme und seiner Außenlager sowie aktuelle Themen austauschen und vernetzen. In diesem Jahr fand die 19. „Außenlager-Tagung“ in Kooperation mit der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica vom 19. bis 20. Juni 2026 statt.

Nach einem Rundgang über das historische Lagergelände der KZ- Gedenk- und Dokumentationsstätte und der Begrüßung durch die Bürgermeisterin Anke Grotjohann (KZ- Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica), Thomas Lange ( KZ- Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica) und Susann Lewerenz (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte), ging es beim ersten Paneltalk, der von Alexandre Froidevaux (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) moderiert wurde, um aktuelle Projekte und Entwicklungen der Gedenkstättenarbeit. Lea Horstmann (Gedenkstätte Esterwegen) berichtete über das Konzept und die Umsetzung eines Angehörigenprojekts in Form eines „Erzählcafés“, das anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung erstmals in der Gedenkstätte Esterwegen stattfand. Die Angehörigen konnten auf diese Weise mit der Gedenkstätte, dem historischen Ort sowie den Mitarbeiter*innen in Kontakt kommen, die Geschichte ihrer Angehörigen teilen und sich auch untereinander kennenlernen. Geschichte zu teilen war auch das Anliegen des deutsch-dänischen „Hope and Despair“-Projekts, das Clara Mansfeld (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte) vorstellte. Sieben Museen und Erinnerungsorte sowie verschiedene Bildungs- und Tourismuspartner*innen im Grenzraum Dänemark–Deutschland haben Angebote für eine gemeinsame Erinnerungskultur erarbeitet. Neben einer „Outdoor“-Ausstellung sind ein Podcast, eine Graphic Novel sowie Filme entstanden, die die Ausstellung ergänzen. Im Anschluss ging es in der von Martin Vogel (Leibniz Universität Hannover) vorgestellten wissenschaftlichen Studie darum, was die Arbeit in und von Gedenkstätten für die Mitarbeitenden bedeutet und wie sich diese im Alltag konkret gestaltet. Auch der Frage, was die Arbeit für die Mitarbeitenden attraktiv macht und welchen Mehrwert sie daraus ziehen, geht die Studie nach.

Anschließend fand erstmals im Rahmen einer „Außenlager-Tagung“ ein „Markt der Möglichkeiten“ statt. Im Rahmen dessen konnten die Teilnehmenden in den informellen Austausch miteinander treten und sich vertiefter über verschiedene Entwicklungen und Projekte der ausstellenden Gedenkstätten und Initiativen informieren.

Am zweiten Tag erhielten die Teilnehmenden zunächst einen begleiteten Rundgang durch die Gedenkorte in der ehemaligen Untertageverlagerung Dachs 1 des Außenlagers Porta Westfalica. Neben dem historischen Input ging es dabei auch um die Möglichkeiten und Herausforderungen, den Untertagebau als solchen trotz weniger Ausstellungsmöglichkeiten sinnvoll in die Rundgänge zu integrieren.

Der im Anschluss von Ulrike Jensen (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) moderierte Paneltalk beschäftigte sich mit gegenwärtigen Herausforderungen in der Gedenkstättenarbeit. Thomas Lange (KZ- Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica) beschrieb mit Fokus auf finanzielle Fragen, welche Auswirkungen aktuelle politische Veränderungen auf die Gedenkstätten und ihre Arbeit haben. Clara Mansfeld (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte) zeigte in ihrem Beitrag zu KI-generierten Bildern im Social Media-Bereich auf, wie diese das Geschichtsverständnis der Besuchenden beeinflussen und wie Gedenkstätten sinnvoll darauf reagieren können. Ein weiteres Thema, über das Andreas Mischok (Gedenkstätte Ahlem) berichtete, waren mögliche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit von Gedenkstätten und ihrer Mitarbeitenden, insbesondere angesichts von zunehmenden Angriffen von rechts.

Die abschließende Feedbackrunde ergab, dass die über 35 Teilnehmenden die Exkursionen, die Panels und insbesondere die Möglichkeiten zum informellen Austausch als sehr wertvoll empfunden haben und sich in Zukunft weitere interaktive Formate im Rahmen der „Außenlager-Tagungen“ wünschen. Abschließend wurde über mögliche Tagungsorte für die in zwei Jahren geplante nächste „Außenlager-Tagung“ diskutiert – vorgeschlagen wurden Aurich-Engerhafe und Hannover, da an beiden Orten neu gestaltete Gedenkorte besichtigt werden können.

Lea Marijić