Gedenkstätte Bullenhuser Damm – neues Kunstprojekt von Schüler*innen
Der Hintergrund
Die Gedenkstätte Bullenhuser Damm erinnert am historischen Ort an die Ermordung von 20 jüdischen Kindern und mindestens 28 Erwachsenen durch die SS in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945. Die Kinder waren zuvor im KZ Neuengamme zu pseudomedizinischen Versuchen missbraucht worden. Jährlich wird am 20. April initiiert von der Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm e.V. vor Ort gemeinsam mit Angehörigen der Opfer der NS-Verbrechen gedacht.
Schüler*innen gestalten Erinnerungskunst
Im diesem Zusammenhang erarbeitet jährlich eine Schulklasse aus Hamburg eine Kunstinstallation für den ehemaligen Tatraum, der ansonsten leer bleibt. Durch das jeweilige Kunstprojekt wird der Raum individuell gestaltet und so auf immer unterschiedliche Weise vor Ort an die Verbrechen erinnert. In Vorbereitung auf die Erarbeitung der Kunstinstallation setzen sich Schulklassen vor Ort gemeinsam mit Teamer*innen der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte mit der Geschichte des Ortes und den Biografien der Ermordeten auseinander.
Eine Abschlussklasse des Gymnasiums Dörpsweg unter Leitung ihrer Lehrerin Marie Exner erarbeitete in diesem Jahr die Installation. Die Schüler*innen entwickelten zunächst in Kleingruppen Ausstellungsentwürfe für die Gestaltung des Raums mit verschiedenen Gestaltungsformen und thematischen Schwerpunkten. Die Modelle der Entwürfe wurden vorgestellt und einer der Entwürfe von einer Jury ausgewählt.
Die zweiteilige Installation
Das diesjährige Projekt besteht aus verschiedenen Elementen und nutzt den gesamten ehemaligen Tatraum. Betritt man den Raum, sieht man Drahtfiguren, die mit einem weißen Tuch bedeckt auf dem Boden liegen. Dieses Element der Ausstellung widmet sich explizit der unbekannten Zahl sowjetischer Gefangener, die ebenfalls in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 am Bullenhuser Damm ermordet wurden. Im Bezug auf ihre Namen und Biografien bestehen noch immer große Wissens- und Erinnerungslücken. Den Schüler*innen war es aus diesem Grund besonders wichtig, auf diese Erinnerungslücke aufmerksam zu machen und an die sowjetischen Gefangenen zu erinnern.
Der zweite Teil der Installation widmet sich den 20 ermordeten jüdischen Kinder. Im hinteren Teil des Raumes wird mit warmem Licht und verspielten, kindlich-bunten Plexiglasaufstellern das Leben und die Individualität der Kinder dargestellt. Parallel dazu hängt eine Zeichnung der verschiedenen Lebenslinien der Kinder an der Wand. Diese beginnen an unterschiedlichen Daten und laufen am 20./21. April 1945 schließlich zu einer Linie zusammen. Der Übergang vom Leben der Kinder zu ihrer Ermordung wird durch eine dunkle Plexiglasscheibe symbolisiert, die die bunten und lebhaften Aufsteller überdeckt.